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Flashback- 9 yrs ago

Aktualisiert: Aug 11

Wer hat an der Uhr gedreht? Wo ist nur die Zeit geblieben? 9 Jahre ist es her, dass mir himmelangst und bange war. Kannst Du dich noch genau an die Geburt deines(r) Frühchens erinnern?


Manchmal sind es ganz einfache Dinge, die später einen sehr großen Wert für uns haben. Für mich ist so ein "Ding" das Frühchen- Tagebuch des Bundesverbandes für Frühgeborene. In ihm habe die ersten Wochen vor 9 Jahren nebenbei in durchgekämpften Tagen & durchwachten Nächten aufgeschrieben und nach langer Zeit wieder heraus gekramt. Bin ich bin froh, dass ich es genutzt habe, denn die Erinnerungen verblassen zu schnell!

Bunt gewürfelte Auszüge:

Doch, es geht auch ohne mich!

"...Früh raus, voll arbeiten, abends spät heim. Vollzeitjob, Stress, Stress, Stress-monatelang.

Bis die Feindiagnostikerin die Notreissleine zieht!

Ich höre nur noch in Fetzen:

- Zwangsruhe

- auf alles vorbereitet sein

- schnell ins Krankenhaus

- Kind in Gefahr

- Spätfolgen nicht auszuschliessen

“ Klatsch!! Ein Schlag ins Gesicht! Eine schallende, verbale Ohrfeige. Aber im Nachhinein betrachtet unsere Rettung! Frustrierend: Nichts lief "normal". Keine "normale" Schwangerschaft, keine Vorbereitungszeit auf die Geburt, keine" normale" Geburt, kein "normales" Kind!…


Donnerstag

...Ein trüber, regnerischer Tag. Aufregung, weil keiner weiß, wie das Ende des Tages aussehen wird: Happy End oder Drama? Nach dem ersten Schrei fällt ein riesiger Druck von mir ab. In so einer Situation bekommst du kein Kind- es wird dir genommen. Lebensnotwendig aber hart für Mutter & Kind, denn es fehlen die wichtigen ersten gemeinsamen Minuten. Da ist nichts. Für beide nichts. Fremde Hände versorgen dich in den ersten Stunden und Tagen. Und auch die ersten Wochen verbringt man nur stundenweise zwischen schrecklich piependen, manchmal auch herzstechenden Warntönen Inkubatoren und Wärmebettchen zusammen. Nichts für zarte Gemüter! Kennlernzeit??? Die verschieben wir auf später! Ich sehe dich angeschlossen an Schläuchen und Sonden, überall verkabelt, die minikleinen Füsse von Nadelstichen regelrecht durchsiebt. 20 ml Nahrung….20 MILILITER! Das muss man sich mal vorstellen! Das Kind kämpft um jedes bisschen Milch, wir freuen uns über jedes Gramm Gewicht.


Und nun?

Nach langen Hin- und Her- Wochen, nimmst du ein Kind mit heim, was in der Babyschale fast verschwindet. Erst jetzt beginnt für uns Frühchen- Eltern die richtige Kennlern- und Familienzeit. So, wie bei den Meisten, die ihr erstes Kind in den Händen halten: alles neu, alles anders. Und so tastet man sich aneinander an. Wird es ab jetzt "normal"?


Es stimmt, was Udo Lindenberg singt: "Ein Herz kann man nicht reparieren"

...Die ersten Wochen sind wie im Flug vergangen. Inzwischen sind wir Meister im Windeln- ohne- Geschrei- wechseln, Flaschen- Speedzubereitung und Zu-den-ungünstigsten-Zeiten-Trösten.

Langsam stellt sich Routine ein. Ein junges Herz hat begonnen zu schlagen und dafür ein Altes, Krankes aufgehört. Der Kreislauf des Lebens.


„Die schönste Erfahrung, die wir machen können, ist die Erfahrung des Unbegreiflichen.“ (Albert Einstein)

Liebe Frühchen- Eltern und die, die es noch werden: Habt Mut, Vertrauen, Ausdauer, Zuversicht und lasst keine Angst zu! Ja, Ihr fahrt ein totales Notprogramm für einige Wochen oder sogar Monate. Aber man lernt, mit der Situation zurecht zu kommen und sich damit zu arrangieren. Die Belohnung sind unsere starken, mutigen, zähen Kämpfer!



#Zeit #Frühgeborene #Frühchentagebuch #Geburt

 

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