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Ehemalige Frühchen: "In Seenot im Ozean der Weisheit"

Ein Frühchen-Kind zu haben gleicht einer Fahrt in einer nie stoppenden Achterbahn. Man kann sie nicht verlassen, geht es auch noch so wild zu.

Hat man das Trauma der Geburt und die schwierigen ersten Jahre halbwegs blessurenfrei überstanden, geht es munter weiter; rauf und runter.

Wir befinden uns gerade in einer recht ruhigen und entspannten Auffahrtphase. Aber vor einem Jahr gings nur abwärts. Und das monatelang, mit Schmackes!

Schon seit der ersten Lebensminute eines Frühchens muss gekämpft werden und zwar von beiden Seiten, der des Kindes und der der Eltern. Das Meiste fällt ihnen nicht einfach in den Schoß. Es muss mühsam gelernt, wiederholt und geübt werden. Vom Kindergarten bis jetzt zur Schule.

Seit Schuleintritt sind wir gemeinsam einen Looping nach dem anderen gefahren. Oft wird die Problematik der ehemaligen Frühgeborenen von Lehrern nicht wahrgenommen und bleibt unberücksichtigt, ja wird sogar als unbegründet abgetan.

Zwischenzeitlich gibt es einige hilfreiche wissenschaftliche Studien und Zeitungsberichte über die Thematik. Vieles trifft auch auf uns zu.

Folgendes haben wir in unserem Fall u.a.festgestellt:

- die Lernatmosphäre in der Schule wird insgesamt als zu laut empfunden (starke Sensibilität auf

Lautstärke)

- der behandelte Stoff kann nicht so schnell aufgenommen werden, wie es erwartet wird

- Probleme mit dem räumlichen Denken

- feinmotorische Startschwierigkeiten z.B. beim Schreiben

- mit komplexen Textaufgaben in Mathematik sind ehemalige Frühchen oft überfordert

- Schwierigkeiten beim Rechnen

- Anfangsschwierigkeiten Lesen

- die Konzentration


Kurzum; Ehemalige Frühchen lernen langsamer und brauchen mehr Zeit, denn sie befinden sich in einem täglichen Aufhol-Marathon.

So erging es uns in den ersten beiden Schuljahren. Nach dem ersten Jahr war die Luft raus und die Motivation ganz unten im Keller. Nur noch unter Tränen ging unser Frühchen morgens zur Schule und kam heulend mittags aus Selbiger heraus. Das macht nicht nur das Kind sondern auch uns Eltern unwahrscheinlich traurig. Unsere einzige Chance sahen wir in einem Schulwechsel in die Nachbargrundschule. Wir hatten großes Glück, dass der Bearbeiter auf dem Schulamt sehr kompetent und verständnisvoll war. So stand einem Schulwechsel ab der 3. Klasse nichts mehr im Weg.

Wie ging es weiter? Ab dem ersten Tag in der neuen Schule war es ein Selbstläufer. Neue Freunde waren sofort gefunden, die Lehrerin geht sehr sensibel mit der Problematik um, die Schulleitung ist interessiert und engagiert. Das spiegelt sich auch in den Noten wieder. Endlich hat das Kind wieder Motivation und keine Versagensangst mehr. Gerade in Mathe besteht nachwievor großer Nachholebedarf, den wir mit Ergotherapie und Hausibetreuung versuchen zu catchen. So arbeiten wir mit vereinten Kräften daran, das Fundament zu stabilisieren.

Wir testen derzeit die Lernplattform SCOYO. Ich berichte in einem der nächsten Posts darüber.

Letzten Endes hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Das Kind ist glücklich und geht wieder jeden Tag gern und motiviert in die Schule. Das ist doch das allerwichtigste.

Bis zur nächsten rasanten Abfahrt genießen wir vorerst die ruhigen Momente. Aber wir halten uns sicherheitshalber gut fest und schnallen uns lieber an, um später nicht aus der Kurve zu fliegen.

Ich würde mich über den Austausch mit Eltern ehemaliger Frühgeborener freuen, die ebensolche Erfahrungen gemacht haben bzw. gerade machen!


#Frühchen #Schule #Kinder #lernen

 

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